Presse

FSFE-Newsletter – Dezember 2010

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Diese Ausgabe berichtet über neue Entwicklungen bei Richtlinien zu Offenen Standards, ein paar grundlegende Informationen über Softwarepatente, Neuigkeiten von der FSCONS zu verteiltem Rechnen und wie Sie uns am Jahresende unterstützen können.

Diesen Monat hatten wir zum ersten Mal in der Geschichte der FSFE gleichzeitig Ausstellungsstände auf drei Konferenzen: dem Brandenburger Linux-Infotag (BLIT) in Potsdam, der Free Society Conference and Nordic Summit (FSCONS) in Göteborg/Schweden und der T-DOSE Eindhoven/Niederlande. Unsere PDFreaders-Kampagne ist ziemlich erfolgreich: 31 öffentliche Verwaltungen haben bereits Werbung für unfreie PDF-Betrachter von ihren Webseiten entfernt, acht von ihnen haben Links zu pdfreaders.org hinzugefügt. Die Systemadministratoren der FSFE haben die Fellowship-Blog-Software aktualisiert und wir hielten mehrere Präsentationen vor Politikern, Parteien und der Berlin Debating Union. Im Rahmen eines Fellowship-Interviews sprachen wir diesen Monat mit Brian über freie Dokumentation, den Emacs-Org-Mode und sein Verständnis von Software als ein Werkzeug. Zuletzt möchten wir Bjarni Rúnar Einarsson gratulieren, einem isländischen Freie-Software-Entwickler, der am Aufbau der Gemeinschaft gearbeitet hat und mit dem Nordic Free Software Award ausgezeichnet wurde.

Offene Standards: Indien – Europa 1:0

Diesen Monat veröffentlichte die indische Regierung ihre Richtlinie zu Offenen Standards, die einen großen Erfolg für die Freie-Software-Bewegung darstellt. Die daraus hervorgehenden Vorteile für Freie Software in Indien waren den dreijährigen Kampf mit den proprietären Softwareunternehmen definitiv wert. Wenn Sie die Dokumente der Regierung lesen, werden Sie mehrere Punkte erkennen, die sich in unsere Definition von Offener Standards wiederfinden, insbesondere die, über die wir bereits in der Oktober-Ausgabe des Newsletters berichteten: dass Patente auf Standards kostenlos zur Verfügung stehen sollten. Diese Richtlinie wird die Innovation im indischen IT-Markt fördern, sie wird zu geringeren Kosten für die öffentliche Verwaltung führen und es Programmierern ermöglichen, innovativer zu sein.

Auch die Europäische Kommission nimmt eine Reform des europäischen Standardisierungssystems in Angriff. Zur Zeit wird die Standardisierung in Europa von einer kleinen Anzahl von Organisationen, hauptsächlich von Großunternehmen, dominiert. Gleichzeitig geschehen viele Innovationen in kleinen und mittleren Unternehmen. Obwohl zahlreich, haben sie nicht wirklich eine Mitsprache bei der Standardisierung. Wenn sich die Gelegenheit zur Teilnahme bietet, kämpfen sie oft mit einem Mangel an Zeit, Geld oder Fachwissen. Während das indische Dokument von Revision zu Revision besser wurde, wurde das European Interoperability Framework (EIF) nur schlechter. Aber mit Ihrer anhaltenden Unterstützung können wir der Europäischen Kommission und den Mitgliedstaaten weiterhin die Wichtigkeit Offener Standards erklären, so dass wir die selben Vorteile bekommen wie in Indien. Diesen Monat nahmen wir dazu an einer gemeinsamen Veranstaltung der Europäischen Kommission und des Europäischen Patentamts teil.

Softwarepatente: Kein weiteres Monopol auf Software

Ein weiteres Thema, das wir auf dem Treffen mit der Europäischen Kommission und in einem Radiointerview hervorhoben, waren Softwarepatente.

Zuallererst einmal ist ein Patent ein Monopol auf eine Idee, während das Urheberrecht ein Monopol auf eine konkrete Implementierung ist. Beethovens Zweite Symphonie ist vom Urheberrecht abgedeckt, ein Patent hingegen würde zum Beispiel ein Monopol auf die Idee erteilen, Streichinstrumente mit Blasinstrumenten zu kombinieren. Software fällt unter das Urheberrecht. Dies ist sinnvoll: Bei Software haben Sie geringe Forschungskosten, müssen aber viel Zeit für die Implementierung der Ideen aufwenden, um sicherzustellen, dass sie keine Sicherheitslücken hat und in Zukunft leicht zu warten und anzupassen ist. Es ist keine große Herausforderung, auf die Idee zu kommen, Streichinstrumente mit Blasinstrumenten zu kombinieren, die Herausforderung besteht darin, sie so zu kombinieren, dass das Ergebnis auch gut klingt.

Immer mehr Leute verstehen, dass Softwarepatente für alle ein Problem darstellen, egal ob für Groß- oder Kleinunternehmen, für einzelne Softwareentwickler, für Benutzer, für unfreie oder für Freie Software.

Wir werden uns weiterhin bemühen, dieses Problem loszuwerden. In den USA arbeitet unsere Schwesterorganisation daran, die öffentliche Aufmerksamkeit auf den durch Softwarepatente verursachten Schaden zu lenken und in Neuseeland hat die Regierung das Problem verstanden und sich im April dafür ausgesprochen, Computerprogramme in die Gruppe der nicht patentierbaren Erfindungen aufzunehmen. In Europa hat der Gesetzgeber entschieden, dass Software nicht patentierbar ist. Aber Gesetze werden immer von Menschen interpretiert und in diesem Fall existieren unterschiedliche Interpretationen des Gesetzes. So erteilt das Europäische Patentamt (EPO) Softwarepatente, indem es sie zu "computerimplementierten Erfindungen" erklärt. Wir werden weiterhin gemeinsam mit unseren Schwesterorganisationen, unserer assoziierten Organisation FFII und anderen daran arbeiten, die Menschen über die Gefahren von Softwarepatenten zu informieren. Wir werden den Gesetzgebern erklären, dass sie die Gesetze präzisieren müssen, damit die Patentämter so handeln, wie es beabsichtigt war.

Verteiltes Rechnen auf der FSCONS

Wir wissen, dass verteiltes Rechnen kein brandneues Thema ist. Es gibt sogar einen 7:21 Minuten langen Werbefilm aus dem Jahr 1959 darüber und ein paar von jenen Ideen könnten immer noch in unserer heutige Diskussion über „Cloud-Computing“ relevant sein.

Unser Beitrag dazu war die Veranstaltung einer Vortragsreihe auf der diesjährigen FSCONS mit dem Namen Divide and Reconquer (Teile und erobere zurück), die das Problem des Trends hin zu zentralisierten unfreien Internetdiensten und mögliche Lösungen dafür in den Fokus stellte. Dank der Arbeit von Sam und unserer Vortragenden liefen alle fünf Vorträge gut und alle hatten ausführliche Diskussionen in den anschließenden Fragerunden zur Folge.

Zum Beispiel sagte Brian Gough, der diesen Monat im Fellowship-Interview interviewt wurde, im Anschluss an die Demonstration der Peer-to-Peer-Suchmaschine Yacy durch Michael Christen zu mir, dass er bis Ende nächsten Jahres nur noch verteilte Suchmaschinen für seine Suchen im Web benutzen will. Klingt nach einem guten Vorsatz fürs neue Jahr. Wie werden weiterhin an diesem Thema arbeiten und mehr Leute dazu animieren, darüber nachzudenken, mit anderen zu diskutieren und an Lösungen zu arbeiten.

Werden Sie aktiv: Kaufen Sie Geschenke und spenden Sie – unsere Unterstützungsprogramme

Zum Jahresende werden oft Geschenke gekauft und es wird Geld gespendet. Es gibt Möglichkeiten, beides zu verbinden, zum Beispiel durch unsere Unterstützungsprogramme. Wenn also einige Ihrer Freunde bereits Geschenke über Libri oder Amazon einkaufen, bitte informieren Sie sie über die Möglichkeit, uns zu unterstützen.

Sie können in Maëlles Blog-Eintrag nachlesen, wie viel über diese Programme gespendet wurde. Wenn Sie Ihre Bücher und andere Geschenke woanders kaufen, können Sie die FSFE natürlich durch eine einmalige Spende unterstützen oder auf regelmäßiger Basis, indem Sie ein FSFE-Fellow werden.

Viele Grüße,
Matthias KirschnerFSFE

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