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Jugendliche aus Deutschland gewinnen europäischen Wettbewerb mit Alternativen zu Big Tech

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Deutsche Jugendliche gehören zu den Gewinnern und Gewinnerinnen von Youth Hacking 4 Freedom 2026, dem europäischen Programmierwettbewerb. Die drei diesjährigen Projekte geben den Nutzenden die Kontrolle zurück: Tracker, die man wirklich besitzt, eine föderierte Suchmaschine, die unabhängig von den Indizes großer Konzerne ist, und eine Software zum Klavierlernen.

Eight teenagers stand on a marble staircase, each holding a trophy that is a cutout of a illustrated person

Am vergangenen Wochenende wurden in Brüssel die Gewinnerprojekte der fünften Ausgabe von Youth Hacking 4 Freedom (YH4F) vorgestellt und ausgezeichnet. Der jährliche Wettbewerb, der von der Free Software Foundation Europe (FSFE) organisiert wird, gibt Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren die Möglichkeit, eigene Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Dabei gilt nur einer Regel: Die Software muss es allen erlauben, sie für jeden Zweck zu nutzen, ihre Funktionsweise zu untersuchen, sie mit anderen zu teilen und sie zu verbessern.

Der 17-jährige Simon S. aus München gewann mit FindMyWeb den "Elite Hacker Award" Preis in Höhe von 2.048 Euro. FindMyWeb ist ein Software, mit dem Nutzer eigene Tracker bauen und diese selbst kontrollieren können, statt ein kommerzielles Gerät zu kaufen, dessen Funktionsweise und Infrastruktur von einem Anbieter kontrolliert werden. Gleichzeitig können sie von der großen Zahl an Smartphones profitieren, die bereits Ortungssignale wie jene des Apple-Dienstes „Wo ist“ weiterleiten – ohne dafür ein Gerät oder eine App eines bestimmten Herstellers zu benötigen.

A young presenter speaks at a podium beside a YH4F.org banner, with a device-tracking map on a large screen and an audience in front.

Damit behalten die Nutzer die Kontrolle über die Technik: von der Firmware über den Server bis hin zu ihren Standortdaten, persönlichen Informationen und ihrem Standortverlauf. Diese bleiben unter ihrer Kontrolle, statt an ein geschlossenes Ökosystem gebunden zu sein.

Einer der Sonderpreise ging an das Team hinter RastiSearch. Vier Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren entwickelten diese föderierte Suchmaschine als Freie Software. Anders als bei herkömmlichen Suchmaschinen ist RastiSearch nicht auf die Suchindizes großer Tech-Unternehmen angewiesen. Stattdessen erfassen zahlreiche unabhängige Server jeweils eigene Inhalte und tauschen Suchanfragen und Ergebnisse untereinander aus. Die Kommunikation erfolgt über Tor. Dadurch können alle einen eigenen Knoten zu Hause betreiben, ohne besondere Netzwerkkonfigurationen vornehmen zu müssen.

RastiSearch zeigt, wie eine unabhängigere Suchinfrastruktur aussehen könnte, bei der die Nutzer mehr Kontrolle über ihre Technik haben. Das Projekt stärkt die digitale Unabhängigkeit und schützt zugleich die Privatsphäre der Anwender. Außerdem ermöglicht es Communities, ihr eigenes Wissen durchsuchbar zu machen, ohne dafür auf die Dienste weniger großer Unternehmen angewiesen zu sein.

Three teenagers present the RastiSearch search engine on stage, one speaking into a microphone, next to a YH4F.org banner

„Wenn wir über technologische Innovationen sprechen, blicken wir häufig Richtung Silicon Valley. YH4F zeigt uns jedoch, dass junge Menschen auch hier in Europa Außergewöhnliches schaffen können. Wenn ich sehe, was Jugendliche schon in diesem alter und mit begrenzten Mitteln erreichen, bin ich zuversichtlich, dass noch viele weitere junge Menschen in Europa Technologien entwickeln könnten, die wir als Gesellschaft vollständig kontrollieren können“, erklärt Matthias Kirschner, Präsident der FSFE.

Ein weiterer Sonderpreis ging an Marius A., der bereits an früheren Ausgaben des Wettbewerbs teilgenommen hat. Der 18-Jährige entwickelte Pianove, eine Software mit der es allen möglich ist ganz einfach Klavierspielen zulernen. Mit Pianove lassen sich Musikstücke aus MusicXML-Dateien auf einem MIDI-Keyboard üben – vollständig offline, ohne Benutzerkonto, ohne die Weitergabe von persönlichen Daten und ohne Abonnement.

Wer Pianove nutzt, muss keine persönlichen Daten preisgeben, um die eigenen Fähigkeiten zu verbessern. Damit bietet die Anwendung eine gute Alternative zu bisherigen Lern-Apps, die ihre Nutzer an Benutzerkonten, Abonnements und vorgegebene Musikkataloge binden.

Youth Hacking 4 Freedom und die FSFE

Über einen Zeitraum von sechs Monaten unterstützt Youth Hacking 4 Freedom junge Menschen dabei, ihre eigenen Ideen umzusetzen – allein oder im Team. Während dieser Zeit lernen sie die Grundlagen der Lizenzierung, des Projektmanagements und der Dokumentation kennen. Außerdem erhalten sie Einblicke in das Ökosystem Freier Software und erwerben Kenntnisse, die ihnen auch auf ihrem späteren Bildungs- und Berufsweg zugutekommen können.

Am Ende der Programmierphase bewertet eine Jury die eingereichten Projekte und wählt sechs Projekte aus. Die Preisgelder liegen zwischen 1.024 und 4.096 Euro. Die Preisverleihung findet in Brüssel statt. Die Gewinner werden dabei jeweils von einem Elternteil begleitet.

Eines der langfristigen Ziele der FSFE ist es, jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, von Anfang an mit Freier Software zu experimentieren und zu programmieren. Wer auf diese Weise lernt, erwirbt nicht nur technische Fähigkeiten. Jugendliche lernen auch, kritisch zu hinterfragen, wie die Technologien funktionieren, die sie nutzen, und diese nicht einfach als selbstverständlich hinzunehmen.