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Öffentlicher Code für nachhaltige internationale Entwicklungszusammenarbeit

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Internationale Entwicklungszusammenarbeit wird zunehmend digital. Freie Software somit zu einer Grundlagentechnologie, um die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen. Zusammen mit Experten auf dem Gebiet fasst die FSFE diese Zusammenhänge zusammen und fordert die Veröffentlichung öffentlich finanzierter Technologien als Freie Software.

Zu den inhärenten Eigenschaften Freier Software und ihrer Gemeinschaften gehören der gleichberechtigte Zugang zu den Quellen, eine internationale Kultur des Austausches und die gemeinsame Entwicklung von Software zum Nutzen aller. Während viele von uns diese Freiheiten inzwischen als universell akzeptieren, gilt dies leider nicht wenn wir in die Welt der proprietären Software schauen. Analog gilt dies leider oft auch bei der Verteilung der natürlichen Ressourcen rund um den Globus.

Im Jahr 2015 legte die Generalversammlung der Vereinten Nationen die 'Ziele für nachhaltige Entwicklung' fest, die auf "eine bessere und nachhaltige Zukunft für alle" abzielen. Ziel ist es bestehende Ungleichheiten zu verringern und zugleich Zugang zu den grundlegendsten Ressourcen unserer Gesellschaften - wie beispielsweise Nahrung, Gesundheit und Bildung - für alle zu bieten. Die internationale Entwicklungszusammenarbeit ist seitdem bestrebt, die vereinbarten Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen zu erreichen, indem sie die globalen Bedingungen verbessert und lokale Partner vor Ort stärkt. In gewissem Maße ähnlich wie bei der Softwarefreiheit sollen bestehende Abhängigkeiten reduziert und neue Abhängigkeiten um jeden Preis vermieden werden.

Zunehmend wird die internationale Entwicklungszusammenarbeit digitalisiert und verlagert ihren Schwerpunkt auf die digitale Zusammenarbeit. Ob in der Landwirtschaft, der industriellen Produktion, im Gesundheitswesen oder in der öffentlichen Verwaltung - die Entwicklung und Aufrechterhaltung moderner sozialer Prozesse ist ohne Software nicht länger denkbar. Funktionale Software wird dadurch gewissermaßen zur Basistechnologie der sozialen Organisation wie auch moderner Verwaltungsdienstleistungen. Die Einführung proprietärer Software verschärft jedoch die Abhängigkeiten der Anwenderinnen und Anwender in den Entwicklungsländern von der derzeit marktbeherrschenden Softwareindustrie in den heutigen Industrieländern. Freie Software hingegen ermöglicht die Emanzipation und Unabhängigkeit ihrer Nutzerinnen und Nutzern - von Einzelpersonen bis hin zu staatlichen Organisationen.

Zugleich ermöglicht Freie Software die Wiederverwendung einmal getätigter Entwicklungsinvestitionen rund um den Globus ohne (weitere) Lizenzkosten und ohne rechtliche oder technische Einschränkungen. Durch die gleichzeitige Veröffentlichung des Quellcodes auf öffentlichen Code-Repositories kann auch die eigene Software-Entwicklung von der Wiederverwendung, Verbesserung und Neuveröffentlichung durch andere Akteure rund um den Globus profitieren. Im Hinblick auf die internationale Zusammenarbeit dient der frei lizenzierte Quellcode als Grundlage für organisierte oder selbstbestimmte Wissensmultiplikation und -transfer sowie für die internationale Kooperation. Freie Software ermöglicht so die Entwicklung digitaler Grundlagen und bietet internationale Standards, ohne zugleich neue Monopole und Abhängigkeiten zu schaffen.

Die soeben genannten Gründe verdeutlichen, dass Freie Software ein wesentlicher Bestandteil jeder nachhaltigen digitalen Entwicklung ist. Folglich verlangen auch die von der Digital Impact Alliance entwickelten "Prinzipien für digitale Entwicklungszusammenarbeit" die Veröffentlichung von Software, Daten und Standards unter freien Lizenzen. Nachdem immer mehr Akteure der internationalen Entwicklungszusammenarbeit die Prinzipien unterzeichnen hat dies die FSFE zum Anlass genommen und zusammen mit Experten der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit die Hauptvorteile des Einsatzes Freier Software für die internationale Entwicklungszusammenarbeit in einem Artikel zusammengefasst.

Der Artikel ist Teil unserer Serie über die Grundlagen Freier Software. Er liefert Hintergrundinformationen über den laufenden Prozess der Digitalisierung in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit, dessen Auswirkungen und den Status quo. Dabei werden die vielfältigen Vorteile beleuchtet, von denen die internationale Entwicklungszusammenarbeit bei der Nutzung und Entwicklung Freier Software profitieren kann. Diese bilden die Grundlage für die Forderung der FSFE, dass in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit alle Softwareentwicklung, die mit öffentlichen Geldern (ko-)finanziert wird, als Freie Software veröffentlicht wird.

Nico Lück, Ko-Autor des Artikels und Experte der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, fasst zusammen: "Die Minimierung von Abhängigkeiten und der Aufbau von lokalen Partnerkapazitäten fördert die Nachhaltigkeit von IT-Lösungen: Freie Software und andere offene Ressourcen sind die Instrumente, die für eine nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit bevorzugt und gefördert werden sollten."

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