Freie Software

Freie Software, Open Source, FOSS, FLOSS - gleich und trotzdem anders

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Es gibt zwei wichtige Begriffe, die mit Software verknüpft sind, die man frei verwenden, verstehen, verbreiten und verbessern kann: Freie Software und Open Source. Darauf basierend finden sich außerdem verschiedene Kombinationen und Übersetzungen wie z.B. FOSS, Libre Software, FLOSS. Wieso also verwenden Menschen diese Begriffe und wie unterscheiden sie sich voneinander?

Historischer Hintergrund

Historisch gesehen war Freie Software der erste Begriff. Er wurde 1986 zusammen mit der Freie-Software-Definition geschaffen. 1997 entwickelte Debian, ein Projekt mit dem Ziel eine komplett freie und gemeinschaftsbasierte GNU/Linux Distribution zu schaffen, die Debian Free Software Guidelines (DFSG) als Checkliste, ob ein Programm in die Distribution aufgenommen werden kann oder nicht. Ein Jahr später wurde die Open Source Initiative (OSI) als Marketing-Kampagne für Freie Software ins Leben gerufen. Sie führte die Open-Source-Definition ein, indem sie die DFSG kopierte und "Freie Software" durch "Open Source" ersetzte. Laut einem öffentlichen Statement von Bruce Perens, einem der Gründer der OSI und Autor der DFSG und Open Source Definition, sollte Open Source ein Synonym zu Freier Software sein. Perens beschloss später, wieder zu den Wurzeln der Bewegung zurückzukehren und von Freier Software zu sprechen. Aufgrund ihrer gemeinsamen Wurzeln beschreiben Open Source und Freie Software beide die komplette Menge und den gesamten Umfang von Softwarelizenzen, die dem Nutzer das Recht geben, die Software zu verwenden, verstehen, verbreiten und verbessern1.

Im Laufe der Zeit ließ man sich weitere Bezeichnungen für die gleiche Art von Software einfallen. Heutzutage werden oft Begriffe wie Libre Software, FOSS (Free and Open Source Software) oder FLOSS (Free, Libre and Open Source Software) verwendet um Freie Software zu beschreiben. Manchmal werden auch Ausdrücke wie "Organische Software" oder "Ethische Software" benutzt. Häufig ist die Motivation für die Benutzung dieser Begriffe, sich nicht an der Debatte um die Namensgebung beteiligen zu wollen, oder auch Verwirrung durch Wörter wie "offen oder "frei" zu vermeiden. Diese Begrifflichkeiten tendieren dazu, Verwirrung zu stiften, weil sie Menschen geradezu einladen, Unterschiede zwischen den Begriffen zu suchen, wo bezüglich der Software, die sie beschreiben, keine Unterschiede bestehen.

Diese kurze Zusammenfassung des historischen Ursprungs der verschiedenen Begriffe soll zeigen, dass sie letztendlich alle dieselbe Herkunft haben und sich auf dieselbe Software beziehen.

Wer benutzt welchen Ausdruck und wieso?

Die Freie Software-Bewegung ist eine große und heterogene Gemeinschaft. Menschen haben unterschiedliche Interessen an Freier Software und verschiedene Gründe mitzuwirken. Aber diese Unterschiede hängen nicht notwendigerweise direkt mit den Begriffen zusammen, die sie verwenden. Viele verwenden den Begriff Open Source, obwohl sie die soziale und politische Dimension Freier Software hervorheben, während es auf der anderen Seite Menschen in unserer Gemeinschaft gibt, die den Ausdruck Freie Software bevorzugen, sich aber mehr auf die praktischen Vorteile konzentrieren. Ob jemand Open Source oder Freie Software sagt, ist nicht zwingend ein Indiz für seine Motivation.

Neben Individuen gibt es auch viele bekannte Organisationen im Freie-Software-Ökosystem. Viele von ihnen spielen eine wichtige Rolle und betonen unterschiedliche Aspekte Freier Software. Zum Beispiel konzentrieren sich manche Organisationen auf die technische Ausrichtung von Freie-Software-Projekten, manche auf rechtliche Aspekte, manche auf politische, soziale und ethische und manche konzentrieren sich auf Klassifizierung von Lizenzen. Diese Organisationen haben sich typischerweise für den einen oder anderen Begriff entschieden und bleiben dabei. Aber das sollte nicht zu der Annahme verleiten, der Begriff, den sie verwenden, sei ein entscheidender Faktor bezüglich ihrer Motivation. Der entscheidende Faktor sind die Menschen, die die Organisation führen, und die Ziele der Organisation als solche. Die praktische Erfahrung mit verschiedenen Organisationen und Personen in der Gemeinschaft zeigt, dass man die Grenze nicht entlang der verwendeten Sprache ziehen kann.

Diese Vielfalt ist gut, denn sie zeigt, dass Freie Software viele Vorteile in vielen verschiedenen Bereichen des Lebens bietet. Wir aber sollten unsere Gemeinschaft nicht daran unterteilen, wer welchen Begriff bevorzugt. Egal welchen Begriff jemand verwendet und was seine ursprüngliche Motivation ist, am Ende arbeiten alle an derselben Software und an der Verbesserung der Softwarefreiheit und allen anderen Aspekten, die zu Freier Software gehören.

Klassifizierung von Lizenzen

Es gibt drei allgemein anerkannte Organisationen in der Freie-Software-Bewegung, die regelmäßig Lizenzen klassifizieren: Die Free Software Foundation, das Debian Projekt und die Open Source Initiative. Bezüglich der Frage, ob eine spezielle Lizenz Softwarenutzern die Freiheit gibt, das Programm zu verwenden, verstehen, verbreiten und verbessern, gelangen sie beinahe immer zur gleichen Erkenntnis.

Macht Copyleft den Unterschied?

Es gibt zwei große Kategorien von Freie-Software-Lizenzen, schützende oder Copyleft Lizenzen und nicht-schützende oder freizügige Lizenzen. Während Copyleft-Lizenzen entwickelt wurden, um das Recht zu schützen, die Software zu verwenden, verstehen, verbreiten und verbessern, erlauben freizügige Lizenzen die Verbreitung der Software ohne diese Rechte. Manchmal wird geglaubt, dass die Begriffe Freie Software und Open Source dazu benutzt werden, zwischen Copyleft- und Nicht-Copyleft Lizenzen zu unterscheiden. Die Listen von Freie-Software-Lizenzen von Debian, der FSF und der OSI zeigen, dass sowohl schützende als auch nicht-schützende Lizenzen der Freie-Software-Definition und der Open-Source-Definition genügen. Das heißt, dass weder die Begriffe Open Source und Freie Software, noch die verschiedenen Definitionen geeignet sind, um zwischen Copyleft- und Nicht-Copyleft Lizenzen zu unterscheiden.

Diese Graphik       soll unterschiedliche Softwarekategorien und deren Verbindung darstellen

Schützende und nicht-schützende Lizenzen sind Untergruppen Freier-Software-Lizenzen, die von der OSI und der FSF anerkannt sind. Copyleft oder Nicht-Copyleft ist kein geeignetes Kriterium, um zwischen Open Source und Freier Software zu unterscheiden, beide Begriffe bezeichnen dieselbe Software.

Entwicklungsmodell

Die Art, wie ein Programm entwickelt wird, kann ein entscheidender Faktor von Erfolg oder Misserfolg sein. Aber ob ein Programm in einem offenen, partizipativen Prozess oder hinter verschlossenen Türen entwickelt wird, sagt nichts darüber aus, ob es unfreie oder Freie Software ist.

Wir müssen zwischen dem Softwaremodell und dem Entwicklungsmodell von Software unterscheiden. Während das Softwaremodell die Eigenschaften der Software beschreibt (zum Beispiel frei oder proprietär), beschreibt das Entwicklungsmodell verschiedene Arten, Software zu entwickeln. Wie ausführlich unter "Was macht ein Freie-Software-Unternehmen aus?" beschrieben, sind die verschiedenen Entwicklungsmodelle unabhängig vom Softwaremodell definiert und funktionieren sowohl mit Freier Software als auch mit proprietärer Software. Modelle, die die Vorteile einer offenen und kollaborativen Gemeinschaft nutzen, können ihre volle Stärke in Kombination mit dem Freie-Software-Modell zeigen. Aber das heißt nicht, dass jedes Programm, das in einem offenen, kollaborativen Prozess entwickelt wird, Freie Software ist. Es gibt Freie-Software-Projekte, die von einer einzelnen Person oder einer Firma mit wenig oder keinem Beitrag von außen entwickelt werden. Auf der anderen Seite haben Entwickler proprietärer Software kollaborative Entwicklungsmodelle angepasst, um in ihr Softwaremodell zu passen, zum Beispiel SAP mit ihrem Partnerschafts-Programm.

Warum wir es Freie Software nennen

Wenn all diese Begriffe dieselben Programme beschreiben, wieso bestehen wir bei der FSFE darauf, den Begriff Freie Software zu verwenden?

Bei Freier Software geht es um Freiheit. Das ist eine Botschaft, die wir laut und deutlich vermitteln wollen. Sprache ist wichtig, denn sie beeinflusst die Art und Weise, wie Menschen über ein Thema denken. Die unterschiedlichen Begriffe konzentrieren sich auf unterschiedliche Aspekte, auch wenn sie dieselbe Software beschreiben. Freiheit ist ein Grundwert Freier Software und unsere Sprache spiegelt das wider. Das macht Freie Software zur richtigen Wahl für die FSFE und wir laden dich dazu ein, uns zu folgen.

Fußnoten

  1. Copyleft-Lizenzen, die entwickelt wurden, um jene Rechte zu schützen, sind eine Untergruppe von Freie-Software-Lizenzen, die von der OSI und der FSF anerkannt sind.